
Kurventour Bayerischer Wald
Bei dieser außergewöhnlichen Motorradtour geht es mal nicht um Kultur, nicht um Sehenswürdigkeiten, sondern nur um eines: Kurven – und sonst nichts!
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Der Motorrad-Guide im Bayerischen Wald: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Der Bayerische Wald zieht sich als rund 100 Kilometer langes Mittelgebirge an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien entlang, vom Raum Cham im Nordwesten bis über Passau hinaus in den Südosten. Nach Osten schließt jenseits der Grenze der Böhmerwald an, nach Süden der österreichische Sauwald; entwässert wird das Revier über Regen und Ilz zur Donau. Für Motorradfahrer ist das kein Hochgebirge mit Serpentinen-Pässen, sondern ein Waldland aus langen, welligen Höhenrücken, tief eingeschnittenen Flusstälern und Kammstraßen zwischen etwa 300 und 1000 Metern Höhe — dünn besiedelt, wenig Ampeln, viel dritter und vierter Gang.

Das Gerüst bilden drei Bundesstraßen. Die B11 klettert bei Deggendorf aus dem Donautal hinauf in den Vorderen Wald und läuft über Regen und Zwiesel bis Bayerisch Eisenstein (724 m) an die tschechische Grenze bei Železná Ruda. Die B85, in Teilen die alte Bayerische Ostmarkstraße, verbindet Cham über Viechtach, Regen und Schönberg mit Passau und zieht dabei quer durch den mittleren Wald. Die B12 schließlich führt von Passau über Freyung nach Philippsreut an den Grenzübergang Richtung Vimperk. Diese Achsen tragen den Durchgangsverkehr — die eigentlichen Fahrstrecken liegen auf den Staats- und Kreisstraßen dazwischen, die sich in weiten Bögen an den Hängen entlangziehen.
Höhe und Kurven kommen dort ins Spiel, wo die Straßen die Rücken queren. Über Deggendorf liegt der Rusel (764–780 m); die alte, engkurvige Ruselstrecke, bis 1979 Teil der B11, windet sich in kurzen Kehren aus dem Tal — ein Aufwärmstück am Rand des Vorderen Waldes. Weiter östlich steigt die Bergstraße zwischen Bodenmais (689 m) und Bayerisch Eisenstein über den Brennes-Sattel und führt an der Talstation der Arber-Bergbahn (1050 m) sowie am Großen Arbersee (935 m) vorbei — eine der wenigen Stellen, an denen man auf dem Motorrad wirklich in die Kammlage kommt. Im Südosten schraubt sich die öffentliche Dreisesselstraße bis auf 1312 Meter zum Dreisesselhaus hinauf, dicht unter dem 1333 Meter hohen Gipfel.
Im Nordwesten, rund um Bad Kötzting und den Lamer Winkel aus Lam, Lohberg und Arrach, wird das Revier noch einmal steiler. Über dem Tal steht der Große Osser (1293 m), wegen seiner spitzen Form das „Matterhorn des Bayerischen Waldes" genannt, direkt auf der Grenze zu Tschechien. Westlich davon zieht der rund acht Kilometer lange Kamm des Hohen Bogen zwischen Furth im Wald und Bad Kötzting hin, mit dem Schwarzriegel als höchstem Punkt (1079 m). Die Straßen im Lamer Winkel und über die Sättel zum Arber hin zählen zu den kurvenreichsten Abschnitten des ganzen Waldes und verbinden den nordwestlichen Zipfel mit der Kammlage um Bodenmais und Bayerisch Eisenstein.

Geografisch teilt sich das Revier in zwei Bänder. Der Vordere Bayerische Wald über der Donau ist niedriger und offener, mit Streckenführung durch Wiesen und Mischwald. Dahinter trennt die Regensenke — das breite Tal des Regen um Regen und Zwiesel — den vorderen vom hinteren Kamm. Der Hintere Bayerische Wald an der Grenze trägt die hohen Rücken: Großer Arber (1456 m), Großer Rachel (1452 m) und Lusen (1373 m). Rund um Rachel und Lusen liegt der Nationalpark Bayerischer Wald (gegründet 1970, seit 1997 rund 240 km²), durch den keine Fahrstraßen führen — man umrundet ihn auf den Talstraßen, was einige der schönsten Bögen des Hinteren Waldes ergibt.
Das Fahrgefühl ist Grenzland-Fahren. Die Strecken laufen über weite Abschnitte parallel zur tschechischen Grenze, und die Übergänge sind offen: bei Bayerisch Eisenstein nach Železná Ruda, bei Philippsreut nach Strážný. Ganz im Südosten stoßen am Dreisessel Deutschland, Österreich und Tschechien zusammen — das Dreiländereck liegt nur wenige Kilometer südöstlich des Gipfels. Wer die Runde weiten will, dreht eine Schleife in den Böhmerwald oder hinunter ins österreichische Mühlviertel und kommt über einen anderen Übergang zurück. Auf den Landstraßen beidseits der Grenze fällt dabei keine Maut an — vignettenpflichtig sind in Österreich und Tschechien nur Autobahnen und Schnellstraßen, die man hier ohnehin nicht braucht.
Zwei Linien prägen das Revier über die Straßenkarte hinaus. Die Glasstraße, eine 250 Kilometer lange Ferienstraße von Waldsassen im Norden bis Passau, fädelt die Glasmacher-Orte des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes auf und lässt sich in Etappen als Leitfaden für eine mehrtägige Runde nehmen. Quer dazu verläuft der Pfahl, ein rund 150 Kilometer langes Quarzriff, das bei Viechtach als weiße Felswand bis zu 30 Meter aus dem Wald ragt — ein geologischer Fixpunkt, an dem viele Touren vorbeiführen.

Zusammengesetzt ergibt das ein Streckennetz, das sich in Tagesrunden gut verketten lässt: von der Regensenke hinauf in eine Kammlage, auf der Höhe entlang, über einen Sattel ins nächste Tal und auf der Gegenseite wieder hinauf. Der Belag ist auf den Staatsstraßen überwiegend gut, auf den Kreis- und Forststraßen wechselnd; Wild- und Forstverkehr gehören im Wald dazu und halten das Tempo von selbst im mittleren Bereich. Genau dieser Rhythmus aus Anstieg, Kammfahrt und Abfahrt — nicht die einzelne Spitzkehre — macht den Charakter des Bayerischen Waldes aus.
Wetter und Saison verlangen Planung: In den Kammlagen um Arber und Rachel liegt die Luft spürbar kühler als im Donautal, morgens hält sich Feuchte im Wald, und die Fahrsaison in den Hochlagen ist kürzer als im Flachland. Dafür sind die Sommer- und Herbstmonate mit klarer Fernsicht, griffigem Belag und wenig Verkehr die verlässliche Stärke des Reviers — ein Waldland zum Fahren, nicht zum Hetzen.
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